Ablandiger vs. auflandiger Wind
Beim Ablegen entscheidet der Wind darüber, ob das Manöver entspannt oder anspruchsvoll wird.
Ablegen bei ablandigem Wind
Weht der Wind vom Steg weg, ist das Ablegen meist unkompliziert. Die Maschine läuft, alle Leinen liegen auf Slip. Ich löse zuerst die Vorleine. Der Bug driftet sofort vom Steg weg. Danach löse ich die Achterleine – auch das Heck ist frei. Mit Maschine und Ruderlage manövriere ich sauber vom Steg weg. Liegen Boote vor oder hinter mir, halte ich das Boot gegebenenfalls noch kurz mit Vorwärtsgang in der belegten Achterleine, bevor ich sie loswerfe. So bleibt alles kontrolliert.
Ablegen bei auflandigem Wind
Was auf der Dehler 28 funktioniert
Ablegen bei auflandigem Wind gehört zu den Manövern, die schnell stressig werden können. Der Wind drückt das Boot an den Steg, jede falsche Reihenfolge rächt sich sofort – und klassische Lehrbuchlösungen funktionieren nicht auf jedem Boot gleich gut.
Auf der Dehler 28 haben sich für mich mehrere praxisnahe Alternativen bewährt. Entscheidend ist nicht, welches Manöver theoretisch richtig ist, sondern welches sich ruhig, kontrolliert und reproduzierbar fahren lässt.
Vorbereitung – ohne die geht gar nichts
Bevor ich überhaupt an Ablegen denke, ist alles vorbereitet:
- Fender liegen über die gesamte Länge aus
- Alle Leinen sind klar und von Bord aus bedienbar
- Ich habe mir überlegt, welche Leine zuerst arbeitet
- Die Maschine läuft, Ruder ist frei
Gerade bei auflandigem Wind fahre ich nicht „auf Sicht“, sondern mit Plan. Hektik ist hier der größte Fehler.
Variante 1: Ablegen mit Vorspring (mit Crew)
Die für mich zuverlässigste Methode auf der Dehler 28 ist das Ablegen mit einer Vorspring. Die Vorspring führt von der vorderen Klampe zum Steg. Das Heck ist gut abgefendert, alle anderen Leinen sind bereits gelöst. Ich lege Vorwärtsgang ein und dampfe leicht in die Vorspring ein. Das Boot bleibt dabei ruhig am Steg, während der Bug kontrolliert gegen den Wind vom Steg wegschwenkt. Sobald der Bug ausreichend frei ist, wechsle ich zügig den Gang (von vorwärts in rückwärts), löse die Vorspring und fahre aus dem Liegeplatz heraus.
👉 Diese Variante gibt mir Zeit, Kontrolle und Ruhe.
Variante 2: Ablegen über eine Achterleine (Einhand)
Eine weitere Methode, die auf der Dehler gut funktioniert, ist das Ablegen über eine einzelne Achterleine. Dabei bleibt eine Achterleine belegt, die Vorleine ist bereits gelöst. Das Heck ist gut abgefendert. Ich lege den Vorwärtsgang ein und dampfe leicht in die Achterleine ein. Mit Ruderlage vom Steg weg beginnt der Bug, sich vom Steg zu lösen. Ist ausreichend Abstand vorhanden, nehme ich Fahrt heraus, löse die Achterleine und nehme Fahrt voraus auf.
Alternative: Ablegen über die gegenüberliegende Seite/Klampe
Je nach Windstärke nutze ich bewusst auch die Achterleine der gegenüberliegenden Bootsseite. Dadurch verschiebt sich der Drehpunkt des Bootes, und der Bug schwenkt oft schneller und kontrollierter frei als mit der „naheliegenden“ Leine. Diese Variante ist überraschend effektiv.
Warum ich die klassische Achterspring selten nutze
Die oft empfohlene Achterspring-Variante funktioniert auf der Dehler 28 zwar grundsätzlich, hat sich für mich aber als wenig verlässlich erwiesen. Der Radeffekt (linksdrehende Schraube → Heck geht bei Rückwärtsfahren nach Steuerbord), das breite Heck und der kurze Kiel führen dazu, dass der Bug nicht sauber frei schwenkt.
Ich nutze sie daher nur, wenn die Bedingungen wirklich passen – nicht als Standardlösung.
Mein persönliches Fazit
Bei auflandigem Wind gibt es kein Universalmanöver. Auf der Dehler 28 haben sich für mich unterschiedliche Optionen bewährt. Wichtig ist nicht, ein Manöver „richtig“ zu fahren, sondern eines, das ruhig, kontrolliert und wiederholbar funktioniert.
Hinweis
Alle beschriebenen Abläufe sind meine persönlichen Erfahrungswerte mit meiner Dehler 28. Sie ersetzen keine Ausbildung und erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
