Enge Wendemanöver im Hafen wirken oft schwieriger, als sie technisch sind. Die eigentlichen Probleme entstehen weniger durch das Boot selbst, sondern durch falsche Erwartungen an die wirkenden Kräfte. Auf leichten Kurzkielern wie der Dehler 28 zeigt sich schnell: Der Wind hat fast immer den größeren Einfluss als der Radeffekt, besonders in dem Moment, in dem das Boot wenig oder keine Fahrt mehr macht.
Natürlich ist es wichtig zu wissen, wie der eigene Propeller arbeitet. Bei meiner Dehler ist eine linksdrehende Schraube verbaut, wodurch sich das Heck bei Vorwärtsfahrt leicht nach Backbord versetzt. Dieses Wissen hilft, das Verhalten des Boots in der Übergangsphase zwischen Vorwärtsfahrt, Stillstand und Rückwärtsgang besser einzuordnen. In der Praxis entscheidet die Drehrichtung des Propellers jedoch selten über das Manöver.
Bevor ich wende, beobachte ich daher zuerst den Wind: Woher kommt er, wie stark ist er, und wohin wird er Bug und Heck treiben, sobald die Fahrt herausgenommen wird? Die Drehrichtung wähle ich so, dass der Wind das Boot unterstützt. Kommt er von Steuerbord, lasse ich das Boot nach Backbord drehen, kommt er von Backbord, entsprechend nach Steuerbord. Nur bei Wind von vorn ist die Wahl freier, bei Wind von achtern ist Zurückhaltung angesagt.
Bei der Anfahrt halte ich mir auf der Seite, auf der das Heck ausschwenken wird, ausreichend Platz frei und gehe das Manöver nicht zu langsam an. Ein Boot ohne Fahrt wird im Hafen schnell zum Spielball von Wind und Strom.
Am Wendepunkt nehme ich das Gas heraus und lege das Ruder in die gewählte Richtung. Sobald die Drehbewegung eingesetzt hat, kupple ich kurz aus, gehe in den Rückwärtsgang und gebe nur so viel Gas, dass die Vorausfahrt abgebaut wird. Das Ruder bleibt dabei unverändert. Der Radeffekt unterstützt nun die Drehung, bestimmt sie aber nicht.
Sobald keine Vorausfahrt mehr vorhanden ist, kupple ich wieder aus und lasse das Boot aus dem Schwung weiterdrehen. In den meisten Fällen reicht ein kurzer Vorwärtsschub, um die Wende sauber abzuschließen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Radeffekt kann helfen, der Wind entscheidet. Wer seine Manöver danach ausrichtet, wendet auch auf engem Raum ruhig und kontrolliert – selbst einhand.
