Immer nach oben abgesichert – Sicherheit an Deck mit einem Kletter-inspirierten Sorgleinen-System
Sicherheit an Deck ist kein Luxus – sie entscheidet, ob ein kleiner Ausrutscher glimpflich verläuft oder dramatisch endet. Wer bei Seegang, Wind und Welle nach vorne muss, begibt sich automatisch in eine potenziell kritische Situation. Ein System, das sofort „nach oben“ absichert, reduziert die Gefahr, ungewollt über Bord zu gehen, enorm.
Inspiration und viele Details zu diesem System stammen aus folgendem YouTube-Video von Uwe (Salins Reisen):
👉 Sailing: Safety on deck – Updated security upwards (YouTube) – dort zeigt der Kanal nicht nur das Grundprinzip, sondern auch eine verbesserte Version, die auf Rückmeldungen aus Kommentaren basiert. Ebenso sind die Erfahrungen von Alfred mit eingeflossen, den Uwe auf der Boot 2026 getroffen hat.

In diesem Artikel bekommst du:
- Warum dieses System einen echten Sicherheitsgewinn bringt
- Wie es funktioniert
- Welche Produkte du nutzen kannst
- Eine verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitung
Warum „nach oben absichern“ so wichtig ist

Herkömmliche Strecktauen am Deck haben ihre Berechtigung. Doch sie haben auch klare Nachteile:
- Du musst erst eine Lifeline an der Rettungsweste eingehängt haben.
- Die Bewegungsfreiheit ist begrenzt.
- Die Länge der Lifeline entscheidet darüber, wie tief du im Fall hängst.
Das vorgestellte System funktioniert anders:
Es nutzt eine Sorgleine von oben, befestigt an der ersten Saling, und verbindet so den Segler direkt mit dem Rigg. Dadurch bleibt der Körper oberhalb der Wasserlinie, selbst wenn etwas passiert.
Die zwei Aufgaben des Sorgleinen-Systems
-
Dauerhaft einsatzbereit sichern
– Du kannst dich bewegen, ohne Lifeline an der Weste.
– Die Verbindung bleibt bestehen, sobald du an Deck gehst. -
Personen bergbar machen
– Sollte jemand trotz Sicherung über Bord gehen,
kann dieser über einen definierten Knotenpunkt (z. B. Prusikknoten)
und ein Fall wieder an Bord gewinscht werden.
Wesentliche Verbesserungen gegenüber der ersten Version
1. Wechsel auf ein dynamisches Kletterseil
Empfohlen wird ein Kletterseil mit etwa 9,7 mm Durchmesser, z. B.:
🔗 Mammut Zopa 9.7 Einfachseil (Kletterseil) – vielseitig einsetzbar, robust und mit solidem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Diese Seile sind:
- robust und langlebig
- für die meisten Sicherungsgeräte geeignet
- mit dynamischer Dehnung – das reduziert Belastung im Fall deutlich
Damit hast du eine hochwertige Sorgleine, die nicht nur beim Segeln, sondern auch beim Klettern oder anderen Outdoor-Einsätzen ihren Wert zeigt.
2. Prusikknoten statt feste Schlaufen

Statt einer starren, vernähten Schlaufe nutzt du einen Prusikknoten aus dünnerer Reepschnur (ca. 6 mm):
🔗 Reepschnur 6 mm für Klettern und Bergsteigen (Decathlon)
Diese dünnere Schnur klemmt unter Last automatisch an der Hauptleine und lässt sich ohne großen Aufwand nach oben oder unten verschieben. Das gibt dir:
- Maximale Bewegungsfreiheit
- Flexible Anpassung der Sicherungslänge
- Großen Komfort beim Vorwärtsbewegen an Deck
3. Stark belastbare Einhandkarabiner
Ein zentraler Bestandteil sind Einhandkarabiner, mit denen du dich schnell und sicher einklinkst:
🔗 KONG Einhandkarabiner Tango Klettersteig‑Karabiner
Dieser Karabiner bietet:
- Sehr hohe Bruchlast bis zu 33 kN (~3,3 t)
- Doppelverschluss für extra Sicherheit
- Automatische Verriegelung und einfache Einhand-Bedienung
Solche Karabiner kommen aus dem Klettersport und sind ideal, um schnell und intuitiv am Ring der Rettungsweste oder an der Reepschnur eingeklinkt zu werden.
Wie funktioniert das System? (Kurz erklärt)
- Hauptleine (Kletterseil) wird dauerhaft von der ersten Saling nach unten geführt.
- Prusikknoten wird auf diese Leine gebunden – dieser dient als beweglicher Fixpunkt.
- Karabiner wird am Prusikknoten eingehängt und bildet deine Sicherung.
- Beim Bewegen an Deck ziehst du den Prusikknoten nach oben, um geringe Leinenlänge zu haben – je kürzer, desto sicherer.
- Du kannst den Prusikknoten mit einer Hand problemlos verstellen – ohne Lifeline an der Weste.
Wann bist du optimal abgesichert?
-
Immer dann, wenn der Prusikknoten möglichst kurz über dir ist.
Das bedeutet:
👉 beim Verlassen des Cockpits sofort den Karabiner einklinken und den Knoten auf minimalen Abstand einstellen.
Dieser kurze Abstand ist entscheidend, weil er verhindert, dass du im Fall mit deinem Kopf in die Welle eintauchst, bevor du über Bord gehst.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Installation
Schritt 1: Material vorbereiten
Beschaffe:
- Kletterseil (z. B. Zopa 9.7)
- Reepschnur 6 mm
- Einhandkarabiner (z. B. KONG Tango)
- ggf. Takelgarn für saubere Enden
Schritt 2: Leine befestigen
- Seil von der ersten Saling senkrecht nach unten führen.
- Seil sauber fixieren (z. B. um Backboard- und Steuerboard-Rundhaken).
Schritt 3: Prusikknoten binden
- Reepschnur zu einer Schlaufe legen
- Mehrere Wicklungen um die Hauptleine
- Knoten prüfen – er muss halten und sich bei Bedarf verschieben lassen
Schritt 4: Karabiner einhängen
- Karabiner am Prusik-Knoten einhaken
- Sicherstellen, dass er sich leicht öffnen lässt, aber nicht unbeabsichtigt
Schritt 5: Praxis testen
- Vor dem Segeln mehrmals üben
- Beim Gang nach vorne wirklich immer kurz absichern
Praxis-Tipps & Alltag an Bord
- Längere Länge in ruhigem Hafenbetrieb erlaubt einfache Bewegung.
- Im Seegang lieber immer kürzestmögliche Sicherung verwenden.
- Das System ergänzt klassische Strecktauen – ersetzt sie aber nicht zwingend.
Fazit
Mit diesem einfach umsetzbaren System, das Elemente aus dem Klettersport nutzt, bist du:
✔ permanent eingesichert
✔ flexibler unterwegs als mit klassischen Lifelines
✔ sicherer bei jedem Schritt an Deck
Die Kombination aus Kletterseil (wie Mammut Zopa 9.7), Reepschnur-Prusikknoten und einem starken Einhandkarabiner (KONG Tango) schafft ein System, das:
- schnell einsatzbereit ist
- maximale Bewegungsfreiheit bietet
- die Gefahr von Überbordgehen deutlich reduziert
👁️🗨️ Originalquelle der Inspiration: Das YouTube-Video „Sailing: Safety on deck – Updated security upwards“ bildet die Grundlage für diese praktische Umsetzung:
👉 https://www.youtube.com/watch?v=L-1iy7pgVyg
Ergänzung: Warum Prusikknoten und doppelter Spierenstich gemeinsam verwendet werden
Im Zusammenhang mit dem System taucht häufig die Frage auf, ob man den Prusikknoten oder den doppelten Spierenstich verwenden sollte. Die Antwort lautet: Beide – aber mit klar getrennten Aufgaben.
Der doppelte Spierenstich – für die Schlaufe
Die Reepschnur, mit der der Klemmknoten gebunden wird, wird zunächst zu einer geschlossenen Schlaufe verbunden.
Hierfür verwendet man den doppelten Spierenstich.
Er ist:
- äußerst belastbar
- kompakt
- bewährt im Klettersport
- unter Zug absolut zuverlässig
Er dient ausschließlich dazu, die beiden Enden der Reepschnur dauerhaft zu verbinden.
Er hat keine Klemmfunktion auf dem Hauptseil.
Der Prusikknoten – für die eigentliche Sicherung
Die so entstandene Reepschnur-Schlaufe wird anschließend als Prusikknoten um das Hauptseil gelegt.
Seine Aufgabe:
- Er klemmt unter Last sofort fest.
- Ohne Last lässt er sich verschieben.
- Er ermöglicht eine variable Längeneinstellung der Sicherung.
Genau diese Eigenschaften machen ihn für das „Absichern nach oben“ so geeignet.
Der Prusik sorgt dafür, dass die Sicherung im Ernstfall blockiert – und im normalen Bewegungsablauf flexibel bleibt.
Warum diese Kombination sinnvoll ist
Das System lebt davon, dass:
- die Schlaufe dauerhaft und sicher geschlossen ist (Spierenstich)
- der Knoten auf der Sorgleine selbsthemmend funktioniert (Prusik)
Beide Knoten erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich.
Wichtige Hinweise zur sicheren Anwendung
- Die Reepschnur sollte mindestens 2 mm dünner sein als das Hauptseil.
- Der Prusik sollte mit mindestens drei Wicklungen gelegt werden.
- Knoten regelmäßig auf Scheuerstellen, Salzablagerungen und UV-Schäden prüfen.
- Vor dem ersten Einsatz an Bord unter kontrollierten Bedingungen testen.
Abschließender Gedanke
Dieses System stammt ursprünglich aus dem Klettersport – und dort gelten klare Grundsätze:
Knoten werden nicht improvisiert, sondern korrekt gebunden, regelmäßig überprüft und bewusst eingesetzt.
Wer dieses Sicherungssystem an Bord nutzt, sollte sich daher mit beiden Knoten vertraut machen und ihre Funktion wirklich verstehen.
Richtig angewendet bietet die Kombination aus doppeltem Spierenstich und Prusikknoten eine technisch saubere, flexible und sehr zuverlässige Lösung zur zusätzlichen Absicherung an Deck.
