wie Strom an Bord richtig dimensioniert wird
Wenn Bordelektrik Probleme macht, liegt die Ursache nur selten im Verbraucher. In den meisten Fällen sind es Kabel und Absicherungen, die nicht (mehr) zum System passen. Zu dünn, zu lang, falsch abgesichert oder über Jahre immer weiter belastet.
In diesem Artikel geht es deshalb um das Herzstück jeder 12-Volt-Installation:
Leitungen und Sicherungen.
Nicht theoretisch, sondern so, dass man danach weiß, warum etwas funktioniert – oder eben nicht.
Warum Kabel an Bord besonders kritisch sind
12-Volt-Bordnetze arbeiten mit vergleichsweise niedriger Spannung. Das bedeutet im Umkehrschluss:
Für jede Leistung muss mehr Strom fließen als bei 230 Volt.
Mehr Strom bedeutet:
- mehr Wärme
- höhere Anforderungen an Leitungen
- empfindlichere Übergänge
Ein Kabel, das an Land harmlos wäre, kann an Bord bereits problematisch sein.
Kabel ist nicht gleich Kabel
Für die Bordelektrik gilt ohne Ausnahme:
- nur flexible Litzen
- keine starren Drähte
- keine Haushaltskabel
Flexible Leitungen verkraften:
- Vibrationen
- Bewegung
- Temperaturwechsel
Starre Leiter brechen – oft unsichtbar im Inneren der Isolierung.
Der wichtigste Faktor: der Kabelquerschnitt
Der Querschnitt bestimmt, wie viel Strom ein Kabel sicher transportieren kann.
Dabei zählen drei Dinge:
- Stromaufnahme des Verbrauchers
- Länge der Leitung (Hin- und Rückweg!)
- zulässiger Spannungsabfall
Ein häufiger Denkfehler ist, nur den Verbraucher zu betrachten. In Wahrheit entscheidet die Kombination aus Strom und Länge.
Spannungsabfall – der schleichende Fehler
Jedes Kabel hat Widerstand. Je länger und dünner es ist, desto größer wird er.
Die Folgen:
- Geräte laufen instabil
- Instrumente zeigen falsche Werte
- Lampen werden dunkler
- Elektronik startet neu
Gerade Navigationslichter und Mastverbraucher sind besonders empfindlich, weil die Leitungslängen groß sind.
Praxis statt Formel: sinnvolle Richtwerte
Ohne tief in Berechnungen einzusteigen, haben sich folgende Grundsätze bewährt:
- 2,5 mm²
→ Standard für die meisten Verbraucher an Bord - 4–6 mm²
→ längere Leitungen oder höhere Dauerlast - 10 mm² und mehr
→ Zuleitungen, Panels, größere Verbraucher
Im Zweifel gilt an Bord fast immer:
Lieber eine Nummer größer.
Warum Sicherungen nicht „nach Gefühl“ gewählt werden dürfen
Sicherungen haben eine klare Aufgabe:
Sie schützen das Kabel vor Überlast – nicht das Gerät.
Das bedeutet:
- Die Sicherung richtet sich nach dem Kabelquerschnitt
- Nicht nach der Leistungsaufnahme des Verbrauchers
Eine zu große Sicherung ist gefährlich, weil:
- das Kabel überhitzen kann
- ein Kurzschluss nicht rechtzeitig abgeschaltet wird
Sicherungen gehören so nah wie möglich an die Stromquelle
Ein oft unterschätzter Punkt:
Ein Kabel ist nur ab der Sicherung geschützt.
Zwischen Batterie und Sicherung:
- kein Schutz
- maximales Risiko
Deshalb:
- Hauptsicherung möglichst dicht an der Batterie
- danach gestaffelte Absicherung für einzelne Stromkreise
Mehrstufige Absicherung – warum sie sinnvoll ist
Bewährt hat sich:
- Hauptsicherung an der Batterie
- Sicherungen für Panel-Zuleitungen
- Feinabsicherung je Verbraucher oder Gruppe
Vorteil:
- Fehler wirken sich lokal aus
- nicht das ganze Bordnetz fällt aus
- Fehlersuche wird einfacher
Übergänge sind kritischer als Kabel
Die meisten Probleme entstehen nicht im Kabel selbst, sondern an:
- Klemmen
- Steckverbindungen
- Crimpstellen
Deshalb gilt:
- jede Litze mit Aderendhülse
- keine verzinnten Kabelenden
- saubere, feste Verbindungen
- Korrosion vermeiden
Ein perfekter Kabelquerschnitt nützt nichts, wenn der Übergang schlecht ist.
Typische Fehler – und warum sie gefährlich sind
- „Das Kabel wird nur handwarm“
- „Die Sicherung ist nie geflogen“
- „Das ist ja nur kurzzeitig“
Elektrikprobleme entstehen selten plötzlich.
Sie wachsen – leise und zuverlässig.
Fazit
Kabel und Sicherungen sind kein Detailthema.
Sie sind die Bordelektrik.
Wer hier sauber plant:
- verhindert Spannungsprobleme
- reduziert Brandrisiken
- schafft Reserven für Erweiterungen
- und erhält ein stabiles, berechenbares System
Im nächsten Artikel geht es darum, wie man Ordnung in die Installation bringt:
Reihenklemmen, Masseschienen, Beschriftung und Struktur – damit die Elektrik nicht nur sicher, sondern auch verständlich wird.
