Was bewusst nicht übers Panel laufen sollte

Nicht alle Verbraucher an Bord sind gleich. Während Beleuchtung oder Steckdosen problemlos über ein zentrales Schaltpanel geführt werden können, gibt es Geräte, bei denen andere Regeln gelten. Diese Verbraucher haben eines gemeinsam: Sie erfüllen sicherheitsrelevante Funktionen oder müssen auch dann verfügbar bleiben, wenn Teile der Bordelektrik ausfallen.

In diesem Artikel geht es um genau diese Sonderfälle – und darum, warum sie bewusst anders behandelt werden müssen.

Warum das Schaltpanel nicht alles lösen sollte

Das Schaltpanel bietet Übersicht und Komfort. Es ist jedoch kein geeigneter Ort für alle Stromkreise.

Probleme entstehen, wenn:

  • ein Panel komplett ausfällt
  • eine Zuleitung unterbrochen wird
  • mehrere Funktionen unnötig voneinander abhängen

Sicherheitsrelevante Verbraucher müssen unabhängig funktionieren können.

Die Bilgenpumpe – immer priorisiert

Die elektrische Bilgenpumpe ist einer der wichtigsten Verbraucher an Bord.

Grundregeln:

  • direkter Anschluss an die Batterie
  • eigene Sicherung
  • möglichst kurze Leitung
  • automatische Funktion unabhängig vom Panel

Der Schalter am Panel dient nur zur manuellen Zuschaltung – nicht als einzige Stromversorgung.

Funkgeräte und Kommunikation

Funkgeräte sind sicherheitsrelevant, insbesondere in Notsituationen.

Empfohlen ist:

  • direkte Versorgung von der Batterie oder Hauptverteilung
  • eigene Absicherung
  • keine gemeinsame Leitung mit Komfortverbrauchern

So bleibt das Funkgerät auch dann betriebsbereit, wenn andere Stromkreise abgeschaltet sind.

Navigationslichter – kritisch, aber oft unterschätzt

Navigationslichter sind gesetzlich vorgeschrieben und sicherheitsrelevant.

Besonderheiten:

  • lange Leitungswege (Mast)
  • empfindlich gegenüber Spannungsabfall
  • oft mehrere Verbraucher auf einem Stromkreis

Saubere Zuleitungen, ausreichender Querschnitt und klare Absicherung sind hier entscheidend.

Ladeeinrichtungen und Einspeisungen

Ladegeräte, Solarregler oder andere Einspeisungen müssen klar vom Verbrauchernetz getrennt sein.

Wichtig:

  • eigene Absicherung
  • definierte Einspeisepunkte
  • keine „Rückspeisung“ über Panelkreise

Ladepfade müssen eindeutig nachvollziehbar sein.

Dauerverbraucher und versteckte Lasten

Einige Verbraucher laufen unbemerkt dauerhaft:

  • Alarmanlagen
  • Tracker
  • Speicher für Elektronik

Diese sollten:

  • bewusst eingeplant
  • separat abgesichert
  • klar dokumentiert sein

Ungeplante Dauerlasten sind eine häufige Ursache für leere Batterien.

Notfallfähigkeit als Maßstab

Eine gute Bordelektrik wird nicht am Normalbetrieb gemessen, sondern am Verhalten im Fehlerfall.

Fragen, die man sich stellen sollte:

  • Was funktioniert noch, wenn das Panel ausfällt?
  • Welche Verbraucher sind dann kritisch?
  • Wie lassen sich diese separat absichern?

Diese Überlegungen führen fast automatisch zu einer besseren Struktur.

Landstrom und 230-Volt-Anlagen

230-Volt-Installationen an Bord unterliegen anderen Regeln als die 12-Volt-Elektrik.

Grundsätzlich gilt:

  • Trennung von 12 V und 230 V
  • Fehlerstromschutz (FI)
  • fachgerechter Aufbau

Arbeiten an der 230-Volt-Anlage gehören in fachkundige Hände.

Typische Fehler in diesem Bereich

  • Bilgenpumpe über das Panel geführt
  • Funkgerät gemeinsam mit Komfortverbrauchern abgesichert
  • Ladegeräte ohne klare Trennung angeschlossen
  • sicherheitsrelevante Verbraucher nicht dokumentiert

Diese Fehler bleiben oft lange unbemerkt – bis sie relevant werden.

Fazit

Nicht jeder Verbraucher gehört ins Schaltpanel.

Sicherheitsrelevante und kritische Funktionen benötigen:

  • eigene Zuleitungen
  • eigene Absicherung
  • klare Priorisierung

Eine gute Bordelektrik denkt nicht nur an Komfort, sondern vor allem an den Ernst

(6) Sicherheit und Sonderfälle in der Bordelektrik

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