Anwendung des Sailtainers

Der Sailtainer verlangt beim Umgang mit dem Großsegel eine etwas andere Herangehensweise als ein klassisches System mit Lazyjacks oder -bags. Der zentrale Unterschied liegt darin, dass Großfall und Bergeleine nicht unabhängig voneinander bedient werden, sondern als zusammenarbeitendes Paar. Wer dieses Zusammenspiel verstanden hat, nimmt dem System viel von seiner vermeintlichen Komplexität.

Grundsätzlich gilt: Das Großfall führt das Segel, die Bergeleine bewegt es. Kraft spielt dabei eine untergeordnete Rolle, saubere Vorbereitung und gleichmäßige Abläufe sind entscheidend.

Segel setzen

Beim Setzen des Großsegels muss das System vollständig entlastet sein. Die Bergeleine ist dabei komplett frei und darf keinerlei Spannung haben. Sie hat in diesem Moment keine aktive Funktion. Das Großfall übernimmt allein die Arbeit und zieht das Segel kontrolliert aus dem Baum.

Wichtig ist vor allem, dass das Großfall frei laufen kann und gleichmäßig durchgesetzt wird. Ruckartiges Ziehen oder seitlicher Druck im Segel führen schnell dazu, dass das Tuch stockt oder schief ausläuft. Entsteht Widerstand, sollte nicht weitergezogen werden. In den meisten Fällen ist dann entweder die Bergeleine nicht vollständig gefiert oder das Boot liegt ungünstig zum Wind.

Die wesentlichen Punkte beim Setzen sind:

  • Bergeleine vollständig gefiert
  • Großfall gleichmäßig dicht holen
  • möglichst wenig seitlicher Druck im Segel

Segel bergen und reffen

Das Bergen ist der sensiblere Teil und erfordert deutlich mehr Aufmerksamkeit. Hier arbeiten Großfall und Bergeleine zusammen. Entscheidend ist, dass das Segel vor dem Einrollen weitgehend entlastet wird. Das Boot wird dafür so zum Wind ausgerichtet, dass das Großsegel möglichst druckfrei läuft und der Baum nahe der Mittschiffslage bleibt. Der genaue Kurs ist dabei weniger entscheidend als die tatsächliche Belastung im Segel und die Position des Baums.

Beim Bergen wird das Großfall nicht einfach losgeworfen, sondern kontrolliert gefiert. Es bleibt dabei unter leichter Grundspannung und übernimmt die Führung des Segels. Diese Grundspannung lässt sich einfach herstellen, indem das Fall einmal um die Winsch gelegt wird, ohne es aktiv zu bedienen. So kann es gebremst nachlaufen, ohne unkontrolliert frei zu kommen.

Die Bergeleine kann nun mit beiden Händen bedient werden. Sie zieht das Segel in den Baum, jedoch nur so schnell, wie das Großfall nachgibt. Das Einrollen erfolgt dabei nicht gleichzeitig, sondern in einem ruhigen, gleichmäßigen Arbeitsrhythmus: Das Fall gibt kontrolliert nach, die Bergeleine nimmt auf.

Geht die Bergeleine plötzlich schwer, ist das ein klares Signal, sofort zu stoppen. In den meisten Fällen steht dann noch Last im Segel oder das Großfall gibt nicht weit genug nach. Mehr Kraft ist hier nie die Lösung, sondern fast immer der falsche Ansatz.

Die entscheidenden Punkte beim Bergen und Reffen sind:

  • Boot möglichst druckfrei fahren
  • Großfall kontrolliert und gebremst nachgeben
  • Bergeleine gleichmäßig dicht holen
  • bei Widerstand sofort stoppen und entlasten

Reffen unterscheidet sich vom vollständigen Bergen lediglich dadurch, dass der Vorgang früher beendet wird. Der Ablauf bleibt identisch.

Zusammenspiel der Leinen

Mit etwas Praxis stellt sich ein gutes Gefühl dafür ein, wie viel Spannung das System benötigt. Das Großfall darf weder ganz lose noch hart durchgesetzt sein, die Bergeleine arbeitet am besten unter konstanter, moderater Spannung. Sobald man beginnt, gegen das System zu ziehen, verliert der Sailtainer seine Ruhe – und genau diese Ruhe ist seine größte Stärke.

Seit ich Großfall und Bergeleine bewusst als Führung und Antrieb begreife und mir beim Bergen Zeit für Vorbereitung und Kurs nehme, funktioniert der Sailtainer zuverlässig und ohne Hektik. Er zwingt nicht zu schnellen Manövern, sondern belohnt sauberes Segeln mit Ordnung, Kontrolle und einem entspannten Großsegelhandling.

Anwendung des Sailtainer

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