Ursachen, Vorbeugung und die Rolle moderner Dieselarten
Die sogenannte Dieselpest zählt zu den häufigsten Ursachen für Störungen und Ausfälle bei dieselbetriebenen Bootsmotoren. Besonders Sportboote und Yachten sind betroffen, da Kraftstoff dort oft über längere Zeiträume gelagert wird. Neben Wartung und Additiven spielt heute auch die Art des verwendeten Diesels eine entscheidende Rolle. Moderne Kraftstoffe haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert – mit direkten Auswirkungen auf Lagerstabilität und Anfälligkeit für mikrobiellen Befall.
Was ist Dieselpest?
Unter Dieselpest versteht man die Verunreinigung von Diesel durch Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen oder Pilze. Diese siedeln sich bevorzugt an der Grenzschicht zwischen Diesel und Wasser im Tank an. Dort bilden sie schleimige Ablagerungen (Biofilme), die:
- Kraftstofffilter verstopfen,
- Leitungen blockieren,
- Einspritzsysteme beschädigen
- und im schlimmsten Fall zum kompletten Motorausfall führen können.
Die entscheidende Voraussetzung für Dieselpest ist Wasser im Tank, das meist durch Kondensation bei Temperaturschwankungen entsteht.
Warum moderne Diesel problematischer sind
Frühere Dieselkraftstoffe waren aufgrund ihres höheren Schwefelgehalts deutlich weniger anfällig für mikrobiellen Befall. Umweltauflagen haben jedoch dazu geführt, dass heutige Diesel sauberer, schwefelärmer – und damit biologisch angreifbarer – sind. Hinzu kommt der steigende Anteil biogener Komponenten.
Die wichtigsten Dieselarten und ihre Eigenschaften
1. Klassischer fossiler Diesel (B7)
Der heute an Tankstellen gängigste Diesel ist B7-Diesel, der bis zu 7 % Fettsäuremethylester (FAME, Biodiesel) enthalten darf.
Eigenschaften:
- Gute Verfügbarkeit
- Geringere Lagerstabilität
- Hygroskopisch (zieht Wasser an)
- Erhöhtes Risiko für Dieselpest bei längeren Standzeiten
Für Boote mit unregelmäßiger Nutzung ist B7 nur bedingt geeignet, wenn keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
2. Biodiesel / FAME-Diesel (B10, B20, B100)
Biodiesel besteht teilweise oder vollständig aus pflanzlichen oder tierischen Fetten.
Eigenschaften:
- Sehr gute Schmierfähigkeit
- Hohe biologische Abbaubarkeit
- Extrem anfällig für Wasseraufnahme und mikrobiellen Befall
- Für die meisten Bootsmotoren nicht freigegeben
Reiner Biodiesel oder hohe FAME-Anteile sind für den Einsatz in Booten klar ungeeignet.
3. GTL-Diesel (Gas-to-Liquid)
GTL-Diesel wird synthetisch aus Erdgas hergestellt und enthält keine biogenen Bestandteile.
Eigenschaften:
- Sehr hohe Lagerstabilität
- Kaum Wasseraufnahme
- Deutlich geringeres Risiko für Dieselpest
- Sehr saubere Verbrennung
GTL-Diesel ist technisch hervorragend für Bootsmotoren geeignet, jedoch nicht überall verfügbar und meist teurer.
4. HVO-Diesel (Hydrotreated Vegetable Oil)
HVO ist ein synthetischer Diesel, der aus pflanzlichen Ölen oder Abfallstoffen hergestellt wird, chemisch jedoch einem fossilen Diesel ähnelt.
Eigenschaften:
- Frei von FAME
- Sehr hohe Oxidations- und Lagerstabilität
- Deutlich geringeres Risiko für Dieselpest
- Häufig als „HVO100“ erhältlich
- Für viele moderne Motoren freigegeben
HVO gilt aktuell als eine der besten Dieselarten für Boote, insbesondere bei längeren Standzeiten.
5. Marine-Diesel
In einigen Revieren wird spezieller Marine-Diesel angeboten, der meist:
- additiviert ist,
- weniger biogene Bestandteile enthält,
- und auf längere Lagerung ausgelegt ist.
Die Qualität kann jedoch regional stark variieren.
So schützen Sie Ihren Bootsmotor
Um das Risiko einer Dieselpest zu minimieren, sind folgende Maßnahmen besonders wichtig:
1. Hochwertigen Kraftstoff verwenden
Setzen Sie möglichst qualitativ hochwertigen Diesel speziell für die Schifffahrt ein. Marine-Diesel oder Kraftstoff mit geringem Wasseranteil reduziert das Risiko, dass sich Mikroorganismen ansiedeln.
2. Additive regelmäßig nutzen (LINK)
Kraftstoff-Additive, die speziell zur Dieselpest-Vorbeugung entwickelt wurden, können helfen, die Bildung von Biofilmen zu unterbinden und gleichzeitig Korrosion im Kraftstoffsystem zu reduzieren. Diese Additive wirken biostatisch bzw. biozid und halten Diesel, Leitungen und Filter sauber.
Viele dieser Additive verbessern zusätzlich die Cetanzahl des Kraftstoffs, was die Zündwilligkeit des Dieselmotors erhöht und einen leichteren Start nach längeren Standzeiten fördert.
3. Regelmäßige Kontrolle und Wartung
Inspektionsintervalle sind entscheidend. Kontrollieren Sie regelmäßig:
- Tankinnenräume, Schauglasfilter und Vorfilter auf Ablagerungen oder Verfärbungen,
- Wasser im Kraftstoff, das sich am Boden sammelt,
- sowie Dichtungselemente an Tankverschlüssen und Belüftungen.
Sollten sich Anzeichen einer Dieselpest zeigen (z. B. trüber, schleimiger Kraftstoff oder Verstopfungen), ist eine gründliche Reinigung des Tanks und der Leitungen erforderlich, bevor der Motor wieder in Betrieb genommen wird.
4. Wasser im Tank reduzieren
Da Wasser als Wachstumsmedium für Mikroorganismen dient, ist es sinnvoll, den Kraftstofftank möglichst voll zu halten oder Wasser durch Entwässerungsvorrichtungen regelmäßig zu entfernen. Dadurch wird die Luft-Wasser-Kondensation im Tank reduziert.
Vorbeugung gegen Dieselpest – unabhängig vom Dieseltyp
Unabhängig von der Kraftstoffart bleiben einige Grundregeln entscheidend:
- Tank möglichst voll halten, um Kondensation zu reduzieren
- Regelmäßig Wasser abscheiden (z. B. über Vorfilter mit Wasserabscheider)
- Additive einsetzen, insbesondere bei B7-Diesel
- Filter kontrollieren und wechseln
- Motor regelmäßig betreiben, damit Kraftstoff umgewälzt wird
Bei ersten Anzeichen von Ablagerungen ist eine Tankreinigung unumgänglich.
Fazit
Die Gefahr der Dieselpest ist heute enger denn je mit der Zusammensetzung moderner Dieselkraftstoffe verbunden. Klassischer B7-Diesel mit Biodieselanteil ist anfälliger für mikrobiellen Befall, während synthetische Kraftstoffe wie HVO oder GTL deutlich robuster und lagerstabiler sind. In Kombination mit konsequenter Wartung, Wasservermeidung und gezieltem Einsatz von Additiven lässt sich das Risiko für Schäden am Bootsmotor jedoch nachhaltig minimieren.
