Richtig trimmen – so mache ich es an Bord
Trimmen beginnt nicht am Segel, sondern im Gefühl fürs Boot. Wenn alles passt, läuft die Dehler ruhig durchs Wasser, liegt leicht am Ruder und hält den Kurs fast von selbst. Passt etwas nicht, zeigt sie das sofort – durch zunehmenden Ruderdruck, Luvgierigkeit, starke Krängung oder einen unruhigen Lauf.
Der Ablauf ist dabei immer gleich.
Schritt 1: Kurs festlegen – dann trimmen
Bevor optimiert werden kann, muss klar sein, auf welchem Kurs gesegelt wird: Am Wind, Halbwind oder Raumwind. Erst wenn das Boot stabil auf Kurs liegt, lassen sich Trimmänderungen sinnvoll beurteilen. Trimmen während ständiger Kurswechsel ist unsinnig.
Schritt 2: Groß zuerst – immer
Der erste Griff geht immer zum Groß. Es bestimmt den Grunddruck im System und damit auch Ruderdruck und Luvgierigkeit.
Großschot
Die Großschot wird so weit angezogen, bis das Boot sauber Fahrt aufnimmt und ruhig läuft. Nimmt der Ruderdruck deutlich zu oder beginnt das Boot stärker nach Luv zu ziehen, wird das Groß leicht geöffnet. Wirkt das Boot dagegen träge und kraftlos, darf es etwas dichter.
Kleine Schritte sind entscheidend. Schon wenige Zentimeter verändern das Gleichgewicht spürbar.
Großfall und Achterstag
Über das Großfall wird das Profil eingestellt. Bei wenig Wind steht das Segel etwas weicher, bei mehr Wind wird das Fall nachgesetzt und das Profil flacher. Mit Achterstag und Hahnepot lässt sich zusätzlich Mastbiegung und Vorstagspannung beeinflussen. Mehr Spannung reduziert den Druck im Groß, nimmt Luvgierigkeit heraus und stabilisiert die Fock – besonders am Wind ein wirksames Mittel vor dem Reff.
Schritt 3: Balance prüfen – Hände vom Ruder?
Jetzt folgt der entscheidende Check. Kann das Ruder kurz losgelassen werden, ohne dass das Boot sofort anluvt oder abfällt, ist die Balance gut. Zwingt das Boot zu ständigem Gegenhalten oder zieht deutlich nach Luv, liegt zu viel Druck im Groß oder das Zusammenspiel mit der Fock passt noch nicht.
Erst wenn der Ruderdruck leicht und gleichmäßig ist, lohnt sich weiteres Feintuning.
Schritt 4: Fock / Selbstwendefock einstellen
Erst nach dem Groß folgt die Fock.
Schot
Die Fockschot wird so gesetzt, dass das Boot ruhig läuft und der Ruderdruck nicht weiter zunimmt. Wird das Boot langsamer, hilft ein leichtes Öffnen. Zieht es stärker nach Luv, wird die Fock minimal dichter genommen. Ziel ist ein gleichmäßiges Zusammenspiel, nicht maximale Segelfläche.
Schritt 5: Krängung, Ruderdruck und Luvgierigkeit als Warnsignale
Sobald die Dehler dauerhaft stark krängt, der Ruderdruck zunimmt oder das Boot spürbar luvgierig wird, stimmt der Trimm nicht mehr. Die Lösung ist Entlastung, nicht mehr Zug:
- Groß etwas öffnen
- Fall oder Achterstag nachsetzen
- bei Bedarf reffen
Ein gut getrimmtes, leicht gerefftes Boot läuft ruhiger, steuert sich leichter und hält den Kurs stabiler.
Typische Situationen an Bord
Böe: Kurs halten, Groß minimal öffnen, Ruderdruck abbauen, danach wieder schließen.
Wind nimmt zu: Großfall oder Achterstag etwas nachsetzen, Luvgierigkeit reduzieren. Die Fock bleibt meist unverändert.
Boot wirkt zäh oder zieht stark nach Luv: Zuerst Druck aus dem Groß nehmen, danach die Fock prüfen. Nie mehrere Stellschrauben gleichzeitig verändern.
Speziell für die Dehler 28
Die Dehler 28 reagiert besonders sensibel auf Veränderungen im Großsegel. Ruderdruck und Luvgierigkeit sind sehr zuverlässige Indikatoren für falschen Trimm. Krängt sie stark, ist fast immer zu viel Druck im Groß. Zieht sie am Ruder, fehlt Balance – nicht Geschwindigkeit.
Fazit
Trimmen ist kein Lehrbuchthema. Es ist Beobachten, Reagieren und Vertrauen ins Boot.
Wer Ruderdruck, Krängung und Luvgierigkeit ernst nimmt und in kleinen Schritten arbeitet, wird feststellen: Die Dehler segelt dann fast von allein.
