Wie du AIS und Bordelektronik für unter 15 Euro kabellos ins Netzwerk bringst
The lowcost sailor – EP96 – NMEA to WiFi. View AIS on your tablet with the Elfin EW10
Wenn ein Kabel plötzlich zum Luxus wird
Auf einem Boot sind es oft nicht die großen Projekte, die nerven, sondern die kleinen Dinge. Ein neues Kabel zu ziehen, klingt zunächst harmlos. In der Praxis bedeutet es aber oft: Verkleidungen öffnen, Leitungswege suchen, durch enge Schächte arbeiten, bohren, abdichten, wieder zusammensetzen. Genau deshalb ist jede Lösung interessant, die ein Kabel überflüssig macht.
Genau darum geht es in diesem Video. Gezeigt wird ein kleines, sehr günstiges Gerät, das serielle Borddaten per WLAN verfügbar macht. Konkret: Daten aus einem NMEA-0183-Gerät lassen sich damit kabellos auf ein Tablet, einen Plotter oder in das Bordnetz bringen. Und das zu einem Preis, der in der nautischen Welt fast schon unverschämt niedrig wirkt: weniger als 15 Euro, teilweise sogar deutlich darunter.
Die Idee dahinter ist so einfach wie nützlich. Statt ein AIS-Gerät, einen alten Plotter, ein Windinstrument oder einen Autopiloten mühsam per Kabel mit einem anderen Gerät zu verbinden, wird die serielle Verbindung in WLAN übersetzt. So werden Daten im Boot beweglicher. Sie können dort empfangen werden, wo sie gebraucht werden – auf dem Tablet im Cockpit, auf dem Raspberry im Technikbereich oder an einem anderen Gerät im Bordnetz.
Worum es im Video im Kern geht
Das Video zeigt, wie sich praktisch jedes Gerät mit NMEA 0183 für sehr wenig Geld ins WLAN bringen lässt. Als typisches Beispiel dient ein AIS-Transponder oder AIS-Empfänger, dessen Daten auf einem Tablet mit Navionics dargestellt werden sollen. Genau das ist laut Transkript eine der häufigsten Fragen: Wie bekomme ich die AIS-Daten meines Geräts kabellos aufs Tablet?
Bisher war die typische Antwort in der Low-Cost-Sailor-Welt häufig: mit einem Raspberry Pi und OpenPlotter. Das ist nach wie vor eine sehr leistungsfähige Lösung, aber vielen ist sie zu komplex, zu offen oder einfach zu viel für den konkreten Anwendungsfall. Deshalb zeigt das Video diesmal bewusst eine kleinere, direktere Alternative: einen winzigen seriell-zu-WLAN-Konverter namens Elfin EW10.
Der Charme dieser Lösung liegt darin, dass sie kein großes System sein will. Sie ersetzt nicht den Raspberry als zentrales Bordgehirn, sondern löst sehr gezielt eine einzelne Aufgabe: serielle Daten ohne Kabel ins WLAN zu bringen.
Warum dieses Thema so relevant ist
Die Motivation aus dem Video ist unmittelbar nachvollziehbar. Viele Boote haben bereits funktionierende Elektronik an Bord. Ein AIS-Gerät sendet sauber Daten, ein Windinstrument tut seinen Dienst, ein älterer Plotter funktioniert noch zuverlässig – nur eben oft nicht so, wie man es sich heute wünscht. Die Daten sind da, aber sie landen nicht ohne Weiteres auf modernen Geräten wie Tablet, Smartphone oder Raspberry.
Genau an diesem Punkt wird es interessant. Denn oft fehlt nicht das Gerät selbst, sondern nur eine einfache Brücke zwischen alter serieller Elektronik und dem heutigen WLAN-basierten Bordnetz. Das Video zeigt, dass diese Brücke nicht teuer sein muss.
Gleichzeitig wird deutlich, dass es dabei nicht nur um AIS geht. Im Transkript wird mehrfach betont, dass die Lösung für jedes NMEA-0183-Gerät geeignet sein kann. Und darüber hinaus sogar für andere serielle Protokolle, etwa aus dem industriellen Bereich. Dadurch wird aus dem kleinen Adapter mehr als nur ein AIS-Helfer. Er wird zu einem universellen Werkzeug für günstige Integrationslösungen an Bord.
Warum NMEA 0183 dafür überhaupt so gut geeignet ist
Ein interessanter Teil des Videos ist der technische Hintergrund. Dort wird erklärt, dass viele nautische Protokolle historisch eng mit industriellen oder allgemeinen seriellen Schnittstellen verwandt sind. Genau deshalb ist die Umsetzung ins WLAN so unkompliziert.
NMEA 0183 ist ein sehr alter, aber nach wie vor verbreiteter Standard zur Kommunikation zwischen maritimen Geräten. Physikalisch basiert er auf Prinzipien, die industriellen Standards wie RS422 sehr nahekommen. Gleichzeitig lässt er sich leicht mit RS232 verbinden, das vielen noch aus älteren Computern, Modems oder seriellen Mäusen bekannt ist.
Logisch betrachtet ist NMEA 0183 ebenfalls vergleichsweise einfach aufgebaut. Es handelt sich um ein ASCII-basiertes Nachrichtenformat, bei dem standardisierte Datensätze – die sogenannten Sätze oder „Sentences“ – übertragen werden. Über die Jahre kamen neue Datentypen hinzu, etwa für AIS. Genau deshalb ist wichtig zu wissen, dass ältere Geräte unter Umständen nicht jede Art von NMEA-Daten verstehen. Im Video wird dafür das Beispiel eines alten Raymarine-Plotters genannt, der zwar NMEA 0183 versteht, aber keine AIS-Sätze interpretieren kann.
Für die praktische Anwendung entscheidend ist aber vor allem eines: NMEA 0183 ist seriell, und seriell lässt sich mit günstiger Standardtechnik erstaunlich leicht weiterverarbeiten.
Die zwei Geschwindigkeiten, die man kennen muss
Im Video wird ein Punkt betont, der für die Konfiguration wichtig ist: NMEA 0183 arbeitet nicht immer mit derselben Baudrate. Es gibt den klassischen Standard mit 4.800 Baud und die Highspeed-Variante mit 38.400 Baud. Letztere ist besonders bei AIS-Geräten üblich.
Das klingt nach einem technischen Detail, ist aber in der Praxis entscheidend. Denn wenn die Baudrate falsch gewählt wird, kommen keine sinnvollen Daten an. Wer also ein AIS-Gerät anbinden will, wird in vielen Fällen 38.400 Baud einstellen müssen. Wer einen klassischen Sensor oder ein anderes älteres NMEA-Gerät anschließt, landet häufig bei 4.800 Baud.
Gerade weil der Adapter so günstig und simpel ist, hängt viel daran, dass diese eine Einstellung richtig sitzt.
Das Gerät: klein, billig und erstaunlich vielseitig
Im Zentrum des Videos steht der Elfin EW10, ein winziger industrieller Konverter, der serielle Daten per WLAN verfügbar machen kann. Er stammt ursprünglich nicht aus der nautischen Welt, sondern aus der Industrie. Genau das macht ihn so interessant. Denn dort gibt es viele Standardlösungen, die in großen Stückzahlen produziert werden und deshalb sehr günstig sind – während ähnliche Geräte mit „Marine“-Aufkleber schnell ein Vielfaches kosten.
Im Transkript werden mehrere verwandte Geräte genannt. Zum einen der etwas größere HF2211, der RS422, RS485 und RS232 beherrscht und neben WLAN auch Ethernet unterstützt. Zum anderen die Elfin-EW-Serie, zu der der EW10 für RS232 und der EW11 für RS485 gehören.
Für den im Video gezeigten Einsatzzweck ist der EW10 die richtige Wahl. Er ist die preiswerteste Variante, reicht für NMEA-0183-Anwendungen meist vollkommen aus und ist in Versionen mit interner oder externer Antenne erhältlich. Besonders empfohlen wird eine Ausführung mit Schraubklemmen, damit man nicht zusätzlich noch RJ45-Stecker crimpen oder Adapter basteln muss.
Die Preisspanne ist fast absurd niedrig. Je nach Version ist das Gerät für unter zwölf Euro, teils sogar unter acht Euro erhältlich. Und genau das ist eine der stärksten Aussagen des Videos: Viele Aufgaben, die in der Bootselektronik traditionell teuer gelöst werden, lassen sich mit Industriebausteinen sehr günstig nachbauen.
So wird ein AIS-Gerät per WLAN sichtbar
Der erste und naheliegendste Anwendungsfall im Video ist ein AIS-Gerät, dessen Daten auf einem Tablet dargestellt werden sollen. Das Prinzip ist einfach: Der NMEA-Ausgang des AIS-Geräts wird an den Eingang des Elfin angeschlossen. Danach werden die seriellen Daten per WLAN ausgestrahlt.
Im Transkript wird als Beispiel ein EMTRAK B983 genannt. Dort sind die relevanten Leitungen für den AIS-Ausgang klar benannt: eine positive und eine negative NMEA-Leitung. Diese werden mit dem Eingang des Elfin verbunden. Zusätzlich wird der Elfin mit Bordspannung versorgt. Wenn alles korrekt angeschlossen ist, zeigt das Gerät eine grüne LED für die Stromversorgung und eine orange blinkende LED für den Datenverkehr. Schon das ist ein gutes erstes Lebenszeichen.
Danach folgt die Konfiguration über WLAN. Der Adapter stellt zunächst ein eigenes offenes WLAN bereit. Man verbindet sich damit, ruft die Weboberfläche über die Standardadresse auf und gelangt so in die Einstellungen. Dort werden zuerst die offensichtlichen Dinge angepasst: WLAN-Name, Passwort und idealerweise auch die Standard-Zugangsdaten des Geräts.
Entscheidend ist dann die serielle Konfiguration. Für AIS wird im Video 38.400 Baud eingestellt, dazu 8 Datenbits, 1 Stopbit, keine Parität, kein Flow Control, kein CLI und das Protokoll auf „none“. Anschließend wird der Kommunikationsmodus als TCP-Server konfiguriert, der Port auf 10110 gesetzt – ein üblicher Standardport für NMEA-Daten, den viele Apps verstehen.
Wenn man dann mit einem Netzwerk-Client wie PuTTY auf diesen Port schaut, sieht man direkt die NMEA-Sätze ins Netz laufen. Damit ist die technische Grundlage geschaffen. Von dort aus können Tablet oder Plotter-Software die Daten übernehmen.
AIS auf dem Tablet: Der praktische Nutzen
Im Video wird dieser Aufbau direkt mit Navionics beziehungsweise der verbundenen Gerätefunktion auf dem Tablet weitergedacht. Sobald das Tablet mit dem WLAN des Elfin verbunden ist, kann die App die AIS-Daten oft sogar automatisch erkennen. Falls nicht, wird manuell ein neues TCP-Gerät mit der IP-Adresse des Elfin und Port 10110 angelegt.
Das Ergebnis ist genau das, was viele sich wünschen: Schiffe in der Umgebung erscheinen auf dem Tablet, ohne dass ein neues Marine-WLAN-AIS-Gerät gekauft oder ein Kabel bis zum Cockpit gezogen werden musste.
Das Video erwähnt allerdings auch zwei praktische Randbedingungen. Zum einen braucht Navionics dafür eine aktive Subscription, sonst werden die Schiffe nicht angezeigt. Zum anderen müssen natürlich tatsächlich AIS-Daten anliegen – es müssen also Schiffe in Reichweite sein. Technisch lässt sich dieselbe Logik aber auch mit anderer Software wie OpenCPN umsetzen.
Noch spannender: Integration ins Bord-WLAN
Die einfachste Nutzung ist laut Video der Access-Point-Modus des Elfin, bei dem das Gerät sein eigenes WLAN aufspannt. Das ist ideal für Boote ohne bestehendes Bordnetz oder für alle, die es möglichst unkompliziert haben wollen.
Noch interessanter wird es aber, wenn der Elfin nicht selbst das WLAN bereitstellt, sondern sich als Client in das bestehende Bord-WLAN einloggt. Im Gerät heißt dieser Modus STA. Dann wird der Adapter Teil des vorhandenen Netzwerks und bekommt dort eine normale IP-Adresse.
Der Vorteil ist enorm. Man muss dann nicht mehr zwischen verschiedenen WLANs wechseln, sondern kann im selben Netzwerk gleichzeitig AIS-Daten, Kameras, Internetzugang und andere Borddienste nutzen. Gerade wenn bereits ein Bord-WLAN mit Router, Raspberry oder Internetzugang existiert, fügt sich der Elfin damit sehr elegant in die vorhandene Architektur ein.
Das passt perfekt zu einer modernen Bootselektronik, bei der nicht jedes Gerät sein eigenes Inselnetz aufspannt, sondern alle Komponenten über ein gemeinsames WLAN miteinander verbunden sind.
Der eigentliche Reiz: Nicht nur empfangen, sondern auch senden
Das Video bleibt nicht bei der Frage stehen, wie man AIS aufs Tablet bringt. Es zeigt auch die Gegenrichtung: Daten aus dem Netzwerk können per Elfin wieder auf ein serielles NMEA-Gerät ausgegeben werden. Das ist besonders spannend, wenn bereits ein Raspberry Pi mit SignalK oder OpenPlotter an Bord arbeitet.
Dann kann der Elfin genutzt werden, um Daten aus dem Raspberry kabellos an ein Gerät mit NMEA-0183-Eingang weiterzugeben – zum Beispiel an einen Autopiloten. Statt also ein neues Kabel vom Raspberry zum Steuerstand oder zur Piloteneinheit zu ziehen, wird der Elfin in der Nähe des Zielgeräts montiert, mit dessen NMEA-Eingang verbunden und per WLAN mit dem Raspberry gekoppelt.
Dafür ändert sich die Konfiguration nur leicht. Die serielle Seite bleibt nahezu gleich, allenfalls wird auf 4.800 Baud reduziert, wenn das Zielgerät nur diese Geschwindigkeit unterstützt. Auf der Netzwerkseite arbeitet der Elfin dann aber nicht mehr als TCP-Server, sondern als TCP-Client. Er verbindet sich also aktiv zu einer Adresse und einem Port im Bordnetz – beispielsweise zum Raspberry, auf dem SignalK die NMEA-Daten bereitstellt.
Das ist eine ausgesprochen elegante Lösung. Sie zeigt sehr gut, dass es bei diesem kleinen Gerät nicht nur um Empfangen, sondern um echte Entkopplung von Kabelwegen geht.
Noch weiter gedacht: MODBUS, RS485 und andere günstige Geräte
Ein besonders spannender Gedanke des Videos liegt jenseits der klassischen Bootselektronik. Der Elfin stammt aus der Industrie. Dort sind Protokolle wie RS485 oder MODBUS weit verbreitet – und genau deshalb gibt es auf dem Markt sehr viele günstige Geräte, die sich theoretisch für maritime Anwendungen zweckentfremden lassen.
Im Transkript werden als Beispiele ein preiswerter Batteriemonitor und günstige Windgeber von AliExpress genannt. Solche Geräte senden oft nicht NMEA, sondern MODBUS. Mit dem passenden Konverter können ihre Daten aber per WLAN an einen Raspberry geschickt und dort beispielsweise mit Node-RED oder einer anderen Logik ausgewertet werden.
Damit wird deutlich, wie groß das Potenzial eigentlich ist. Der Elfin ist nicht nur ein NMEA-Helfer, sondern ein allgemeines Werkzeug, um serielle Billig-Hardware aus der Industrie oder dem Fernostmarkt in eine Smart-Boat-Architektur einzubinden.
Gerade das ist eine der interessantesten Botschaften des Videos: Die nautische Welt hat viele ihrer Protokolle gar nicht selbst erfunden, sondern nutzt in weiten Teilen Varianten industrieller oder automobiler Standards. NMEA 2000 ist im Kern CAN-Bus, NMEA 0183 lehnt sich an serielle Industriestandards an, und viele Sensoren folgen ebenfalls bekannten Mustern. Wer das versteht, kann außerhalb des Marine-Markts nach deutlich günstigeren Bausteinen suchen.
Warum solche Lösungen so attraktiv sind
Die Stärke des gezeigten Ansatzes liegt nicht nur im Preis, sondern im Denkmodell dahinter. Das Ziel ist nicht, möglichst viel „Marine-Hardware“ zu kaufen, sondern vorhandene Systeme intelligenter zu vernetzen. Statt nur in Geräten zu denken, denkt das Video in Datenflüssen.
Ein AIS-Gerät liefert Daten. Ein Tablet soll sie sehen. Ein Raspberry verarbeitet Informationen. Ein Autopilot soll davon profitieren. Ein Sensor aus dem Industriebereich sendet Messwerte. Das Bordnetz soll sie aufnehmen. Und zwischen all diesen Punkten steht oft nur eine einfache Frage: Muss dafür wirklich ein Kabel gezogen werden?
Der Elfin beantwortet diese Frage oft mit nein.
Natürlich ersetzt er nicht jede aufwendigere Bordlösung. Ein Raspberry bleibt leistungsfähiger, flexibler und kann Daten verarbeiten, filtern und logisch verknüpfen. Dedizierte Marine-Geräte von Spezialherstellern sind oft komfortabler oder robuster vorkonfiguriert. Aber der Elfin besetzt eine äußerst interessante Lücke: Er ist billig, klein, flexibel und für viele einfache Integrationsaufgaben vollkommen ausreichend.
Fazit: Ein winziger Adapter mit erstaunlich großem Nutzen
Das Video zeigt sehr eindrucksvoll, wie viel sich mit wenig Geld an Bord erreichen lässt. Für unter 15 Euro, teilweise sogar für unter 10 Euro, lässt sich ein serielles NMEA-0183-Gerät ins WLAN bringen. Damit werden AIS-Daten auf dem Tablet sichtbar, ältere Instrumente in moderne Netzwerke eingebunden und sogar Verbindungen zwischen Raspberry, Autopilot oder anderen Komponenten ohne zusätzliche Kabel möglich.
Der größere Gedanke dahinter ist fast noch wertvoller als der konkrete Anwendungsfall. Viele Probleme der Bootselektronik sind keine reinen Hardwareprobleme, sondern Integrationsprobleme. Daten existieren bereits – sie müssen nur dorthin gebracht werden, wo man sie braucht. Genau dafür ist der Elfin EW10 ein bemerkenswert nützliches Werkzeug.
Oder anders gesagt: Man spart nicht nur ein Kabel. Man spart Aufwand, Geld und oft eine Menge Frust.
Schritt für Schritt: So richtest du das Elfin-EW10-Setup an Bord ein
Der große Charme des Elfin EW10 liegt darin, dass das Gerät technisch sehr viel kann, in der Praxis aber erstaunlich einfach einzurichten ist. Genau deshalb eignet es sich so gut, um vorhandene NMEA-0183-Geräte ohne großen Aufwand ins WLAN zu bringen. Damit die Installation nicht abstrakt bleibt, lohnt sich ein klarer Blick auf den praktischen Ablauf.
Im einfachsten Fall geht es darum, die Daten eines vorhandenen AIS-Geräts oder eines anderen NMEA-0183-Instruments drahtlos auf ein Tablet zu bringen. Genau dafür ist dieses Setup ideal.
Was du für das Setup brauchst
Für die einfachste Variante benötigst du nur wenige Komponenten:
- einen Elfin EW10 oder EW10A
- ein NMEA-0183-Gerät mit Datenausgang, zum Beispiel AIS, GPS, Windinstrument oder älterer Plotter
- eine 12-V-Stromversorgung aus dem Bordnetz
- etwas Anschlusskabel
- idealerweise die Anschlussbelegung deines Geräts aus dem Handbuch
- ein Tablet, Smartphone oder Notebook zur Konfiguration
Wenn du das Ganze direkt ins vorhandene Bord-WLAN integrieren willst, brauchst du zusätzlich natürlich bereits ein funktionierendes WLAN an Bord.
1. Zuerst klären: Was soll verbunden werden?
Bevor du irgendetwas anschließt, musst du genau wissen, welches Gerät Daten liefert und welches Gerät diese Daten später empfangen soll.
Im typischen Beispiel aus dem Video ist das sehr einfach:
- Datenquelle: AIS-Transponder oder AIS-Empfänger
- Übertragungsweg: Elfin EW10 per WLAN
- Empfänger: Tablet mit Navionics oder OpenCPN
Entscheidend ist dabei immer, dass du den NMEA-Ausgang des sendenden Geräts verwendest. Viele Geräte besitzen Ein- und Ausgänge. Du darfst also nicht einfach irgendein Kabelpaar nehmen, sondern musst im Handbuch gezielt nach NMEA OUT + und NMEA OUT – suchen.
Bei vielen Geräten heißen diese Anschlüsse zum Beispiel:
- NMEA OUT A / B
- TX+ / TX-
- NMEA+ / NMEA-
- Data Out + / Data Out –
Der Wortlaut variiert je nach Hersteller, die Funktion bleibt aber gleich.
2. Die richtige Baudrate bestimmen
Noch bevor du konfigurierst, solltest du wissen, mit welcher Geschwindigkeit dein Gerät sendet. Genau hier passieren die meisten Fehler.
Bei NMEA 0183 gibt es typischerweise zwei relevante Varianten:
- 4.800 Baud für klassische NMEA-0183-Daten
- 38.400 Baud für AIS, also NMEA 0183 High Speed
Das bedeutet:
- AIS-Geräte meistens: 38.400 Baud
- ältere GPS-, Wind- oder Instrumentendaten oft: 4.800 Baud
Wenn du die falsche Baudrate einstellst, bekommst du entweder gar keine Daten oder nur unlesbaren Zeichensalat.
3. Den Elfin EW10 elektrisch anschließen
Jetzt folgt der eigentliche physische Aufbau.
Der Elfin braucht zuerst eine Versorgungsspannung. Im Video wird beschrieben, dass du dazu einfach den Adapter mit Strom versorgst:
- Pin 1 an Bord-Minus
- Pin 2 an Bord-Plus
Je nach gekaufter Version können die Klemmen leicht anders beschriftet sein. Deshalb lohnt sich auch hier kurz ein Blick auf die mitgelieferte Pinbelegung. Entscheidend ist: Das Gerät braucht Strom, bevor du mit der Konfiguration weitermachst.
Danach verbindest du den NMEA-Ausgang deines Geräts mit dem seriellen Eingang des Elfin.
Vereinfacht:
- NMEA OUT – vom Gerät auf GND / RX- / Masse am Elfin
- NMEA OUT + vom Gerät auf RX / Eingang am Elfin
Das konkrete Label hängt von der Version ab, aber die Logik ist immer gleich:
Die Daten, die dein AIS oder Instrument sendet, müssen in den Eingang des Elfin hineinlaufen.
Wenn alles korrekt angeschlossen ist, solltest du am Elfin zwei Dinge sehen:
- eine grüne LED für die Stromversorgung
- eine orange blinkende LED, sobald Daten übertragen werden
Gerade diese blinkende LED ist ein sehr gutes Zeichen. Sie zeigt dir, dass am seriellen Eingang tatsächlich etwas ankommt.
4. Zum ersten Mal mit dem Elfin verbinden
Sobald der Elfin Strom hat, baut er im Standardzustand ein eigenes WLAN auf. Dieses WLAN ist zunächst offen und meist nach folgendem Muster benannt:
EW10_xxxx
Also etwa mit vier zusätzlichen Zeichen am Ende.
Du nimmst nun dein Tablet, Smartphone oder Notebook und verbindest dich genau mit diesem WLAN. Da es ab Werk offen ist, brauchst du normalerweise zunächst kein Passwort.
Danach öffnest du einen Browser und rufst die Konfigurationsadresse auf:
10.10.100.254
Die Standard-Anmeldedaten lauten üblicherweise:
- Benutzername: admin
- Passwort: admin
Danach landest du in der Weboberfläche des Geräts.
5. Sofort die Grundeinstellungen ändern
Noch bevor du tiefer konfigurierst, solltest du die Standardwerte anpassen. Das ist wichtig, damit das Gerät später sicher und sauber im Bordnetz läuft.
In den System Settings änderst du zuerst:
- das Admin-Passwort
- den WLAN-Namen
- das WLAN-Passwort
Gerade das ist sinnvoll, wenn du das Gerät als eigenes Access-Point-WLAN betreiben willst. Spätestens dann möchtest du kein offenes Netz mit Standardlogin an Bord haben.
Nach dem Speichern musst du dich meist erneut mit dem nun umbenannten WLAN verbinden.
6. Den seriellen Port richtig konfigurieren
Jetzt kommt der wichtigste Teil des gesamten Setups: die serielle Schnittstelle.
Hier trägst du die Werte passend zu deinem Gerät ein. Für ein typisches AIS-Setup verwendest du:
- Baud Rate: 38400
- Data Bits: 8
- Stop Bits: 1
- Parity: None
- Flow Control: Disable
- CLI: Disable
- Protocol: None
Wenn du statt AIS ein normales NMEA-0183-Gerät mit Standardgeschwindigkeit anschließt, setzt du die Baudrate stattdessen auf 4800.
Danach speicherst du die Einstellungen.
An diesem Punkt ist der Elfin bereits in der Lage, die seriellen Daten korrekt einzulesen.
7. Die Netzwerkübertragung einrichten
Damit die Daten nicht nur gelesen, sondern auch im WLAN bereitgestellt werden, muss nun der Kommunikationsmodus eingestellt werden.
Für die einfachste Variante mit Tablet oder Navionics verwendest du:
- Mode: TCP Server
- Local Port: 10110
- Security: Disable
- Route: UART
Der Port 10110 ist wichtig, weil er sich als Standard für NMEA-over-TCP etabliert hat und von vielen Apps direkt unterstützt wird.
Mit dieser Einstellung arbeitet der Elfin wie ein kleiner Server: Er nimmt die seriellen Daten entgegen und stellt sie über WLAN auf Port 10110 zur Verfügung.
8. Prüfen, ob wirklich Daten ankommen
Bevor du mit Navionics oder OpenCPN weitermachst, lohnt sich ein technischer Test. So erkennst du sofort, ob das Grundsetup korrekt funktioniert.
Verbinde dich mit dem Elfin-WLAN und öffne auf einem Notebook ein Terminal-Tool wie zum Beispiel PuTTY oder einen anderen TCP-Client. Verbinde dich zu:
- Host: 10.10.100.254
- Port: 10110
Wenn alles korrekt eingerichtet ist, solltest du nun laufend NMEA-Sätze sehen, also Zeilen, die typischerweise mit $ oder ! beginnen.
Beispiele wären etwa:
$GPRMC...!AIVDM...
Sobald solche Sätze sichtbar werden, steht fest:
Das Setup funktioniert technisch.
9. AIS oder NMEA-Daten in Navionics anzeigen
Jetzt wird das Ganze praktisch nützlich.
Verbinde dein Tablet mit dem WLAN des Elfin. Danach öffnest du Navionics und gehst in den Bereich für verbundene Geräte.
Oft erkennt Navionics den Stream automatisch. Falls nicht, legst du manuell ein neues Gerät an:
- Verbindungstyp: TCP
- Host: 10.10.100.254
- Port: 10110
Danach sollte Navionics die AIS-Daten übernehmen. Sind in der Umgebung Schiffe unterwegs und ist dein Abo aktiv, erscheinen diese nun auf der Karte.
Wichtig ist genau dieser Hinweis aus dem Transkript:
Ohne aktive Navionics-Subscription werden die AIS-Ziele nicht unbedingt angezeigt.
Dasselbe Prinzip funktioniert auch mit anderen Programmen wie OpenCPN. Dort wird ebenfalls einfach eine TCP-Verbindung auf dieselbe Adresse und denselben Port eingerichtet.
10. Den Elfin ins vorhandene Bord-WLAN integrieren
Die einfachste Lösung ist, das vom Elfin erzeugte WLAN direkt zu verwenden. Das ist ideal, wenn du nur AIS-Daten aufs Tablet bringen willst und sonst kein Bordnetz hast.
Noch eleganter ist jedoch die Integration in dein bestehendes WLAN an Bord. Dann musst du nicht das WLAN wechseln, sondern nutzt alles gleichzeitig:
- Internet
- Kameras
- Raspberry
- AIS
- Sensoren
Dafür gehst du in den WLAN-Einstellungen des Elfin in den Client-Modus (STA).
Dort kannst du verfügbare WLANs scannen, dein Bord-WLAN auswählen und das Passwort eingeben. Nach dem Speichern und Neustart verbindet sich der Elfin nicht mehr als eigener Access Point, sondern als Client mit deinem vorhandenen Netzwerk.
Danach bekommt er dort eine neue IP-Adresse, meistens vom Router per DHCP.
Anschließend musst du nur noch herausfinden, welche IP-Adresse er im Bordnetz erhalten hat. Das geht meist:
- über die Router-Oberfläche
- über die Geräteliste im WLAN-Router
- oder per Netzwerkscan
Ab dann erreichst du ihn nicht mehr unter 10.10.100.254, sondern unter seiner neuen internen IP-Adresse im Bordnetz.
11. Daten vom Raspberry kabellos an Autopilot oder Plotter senden
Jetzt wird es richtig interessant. Der Elfin kann nicht nur Daten aus einem Gerät herauslesen, sondern auch Daten aus dem WLAN auf ein serielles Gerät ausgeben.
Damit kannst du zum Beispiel:
- NMEA-Daten vom Raspberry an den Autopilot
- Wegepunkte an einen älteren Plotter
- Kurs- oder Geschwindigkeitsdaten an andere Geräte
In diesem Fall wird der Elfin an den NMEA-Eingang des Zielgeräts angeschlossen.
Dann ändert sich die Netzwerkkonfiguration:
- statt TCP Server nutzt du TCP Client
- als Ziel trägst du die IP-Adresse deines Raspberry ein
- dazu den Port, über den SignalK oder dein NMEA-Dienst die Daten bereitstellt
Auf der seriellen Seite bleibt wieder alles fast gleich, nur die Baudrate muss zu deinem Zielgerät passen. Viele ältere Geräte erwarten hier wieder 4800 Baud.
Das Ergebnis:
Der Elfin nimmt Daten aus dem WLAN entgegen und speist sie seriell in den Autopiloten oder Plotter ein – ganz ohne neues Kabel durchs Boot.
12. Mögliche Stolperfallen beim Setup
Wenn es nicht sofort funktioniert, liegt die Ursache fast immer in einem der folgenden Punkte:
Falsche Baudrate
Das ist der Klassiker. AIS fast immer 38400, viele andere Geräte 4800.
Ein- und Ausgang vertauscht
Du musst wirklich vom NMEA OUT des sendenden Geräts in den Eingang des Elfin.
Nur einpolig statt differenziell angeschlossen
Manche Geräte arbeiten sauber mit Plus und Minus, nicht nur mit einer einzelnen Datenleitung.
Falscher Port
Für die typische App-Anbindung sollte Port 10110 verwendet werden.
Navionics-Abo fehlt
Dann kommen zwar Daten an, aber die AIS-Ziele werden nicht dargestellt.
Elfin hängt noch im Access-Point-Modus
Wenn du ihn ins Bord-WLAN integrieren wolltest, suchst du eventuell noch an der alten Standardadresse.
Keine AIS-Daten in der Umgebung
Manchmal funktioniert technisch alles, es sind nur schlicht keine Schiffe in Reichweite.
13. Empfehlung für ein sauberes Bord-Setup
Wenn du das dauerhaft und ordentlich aufbauen willst, dann ist diese Struktur sinnvoll:
- Elfin nahe am NMEA-Gerät montieren
- kurze serielle Leitung vom Gerät zum Elfin
- saubere abgesicherte 12-V-Versorgung
- Elfin als Client im Bord-WLAN
- Tablet, Raspberry, Kameras und weitere Systeme alle im selben Netz
So vermeidest du mehrere parallele WLAN-Inseln und bekommst eine wirklich integrierte Lösung.
Fazit zum praktischen Aufbau
Das Setup mit dem Elfin EW10 ist deutlich einfacher, als es zunächst klingt. Im Kern besteht es nur aus vier Schritten:
- Serielle Datenquelle korrekt anschließen
- Baudrate sauber einstellen
- TCP auf Port 10110 konfigurieren
- Tablet oder Bordnetz verbinden
Damit wird aus einem alten NMEA-0183-Gerät in kurzer Zeit eine moderne WLAN-Datenquelle. Gerade für AIS ist das eine sehr elegante und extrem günstige Lösung. Und wenn bereits ein Raspberry oder ein Bord-WLAN vorhanden ist, lässt sich das Ganze sogar noch deutlich weiterdenken.
