Funkfernbedienung – für unter 20 Euro
The lowcost sailor – EP117 – DIY Remote Control for Simrad, Robertson & B&G autopilots
Warum eine einfache Fernbedienung für einen Autopiloten so teuer sein soll, bleibt ein Rätsel
Es gibt Produkte in der Bootswelt, bei denen man sich an hohe Preise fast schon gewöhnt hat. Plotter, Sensoren, Displays, Spezialkabel – alles kostet meist deutlich mehr als vergleichbare Technik außerhalb der maritimen Nische. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen selbst eingefleischte Bootseigner stutzen. Eine kabelgebundene Fernbedienung für einen Autopiloten für weit über 200 Euro gehört zweifellos dazu.
Genau hier setzt das Video an. Diesmal geht es um ältere Simrad-, B&G- und Robertson-Autopiloten und um die Frage, warum für ein so simples Zubehörteil derart viel Geld verlangt wird, obwohl sich dieselbe Funktion mit erstaunlich wenig Material selbst nachbauen lässt. Die im Video vorgestellte Lösung ist dabei fast provokant einfach: Mit einer kleinen 4-Relais-Box, ein paar Dioden, einer Funkfernbedienung und etwas Kabel lässt sich für unter 20 Euro eine drahtlose Fernbedienung bauen, die genau das tut, was viele von ihren Autopiloten erwarten.
Die Idee ist ebenso pragmatisch wie typisch für The Low Cost Sailor: Nicht gegen gute Technik argumentieren, sondern gegen unnötig teure Einfachlösungen. Wenn etwas technisch simpel ist, sollte es auch bezahlbar bleiben – und wenn nicht, baut man es eben selbst.
Worum es im Video im Kern geht
Das Video richtet sich an Bootsbesitzer mit älteren Autopiloten von Simrad, B&G oder Robertson, die einen Anschluss für eine kabelgebundene Fernbedienung mit der Bezeichnung R3000X besitzen. Genau dieser Anschluss ist der Schlüssel zur ganzen Lösung. Denn er erlaubt im Grunde nichts anderes als das Auslösen von drei elementaren Funktionen: einen Befehl nach Backbord, einen nach Steuerbord und das Umschalten zwischen Standby und Automatik.
Und genau deshalb ist die Schaltung so einfach. Im Kern werden an diesem Anschluss nur Kontakte geschlossen. Die linke Taste verbindet einen Kontakt mit Masse, die rechte einen anderen, und die Modus-Funktion entsteht dadurch, dass beide gleichzeitig aktiviert werden. Was auf Herstellerseite als fertiges Zubehör mit hohem Preis verkauft wird, ist aus elektrischer Sicht also ausgesprochen überschaubar.
Das Video zeigt deshalb nicht nur, dass man sich eine solche Fernbedienung selbst bauen kann, sondern auch, warum das überhaupt so leicht ist. Es geht nicht um aufwendige Protokolle, proprietäre Kommunikation oder komplexe Steuerlogik, sondern um einfache Kontaktzustände, die sich mit Relais hervorragend nachbilden lassen.
Der Ausgangspunkt: dieselbe Idee wie bei Raymarine, nur für eine andere Welt
Das Projekt knüpft an eine frühere Folge des Kanals an, in der bereits gezeigt wurde, wie man für Raymarine-Autopiloten eine günstige eigene Fernbedienung bauen kann. Auch dort entstand die Lösung aus einem ganz praktischen Bedürfnis: eine Fernbedienung an Bord zu haben, sich frei bewegen zu können und trotzdem den Autopiloten bei Manövern, am Bug oder aus einer anderen Position heraus zu steuern – ohne dafür mehrere hundert Euro auszugeben.
Die Resonanz auf diese frühere Lösung war offenbar so groß, dass daraus sogar Bausätze und fertig montierte Geräte für den Onlineshop entstanden. Gleichzeitig kamen immer wieder Rückfragen von Besitzern anderer Autopiloten: Gibt es so etwas auch für Simrad oder B&G? Die Antwort, die das Video jetzt liefert, lautet im Grunde: Ja – und die Lösung ist sogar noch einfacher, als viele vermutlich vermuten würden.
Das passt sehr gut zur Grundhaltung des Kanals. Statt das Wissen für sich zu behalten und aus einem simplen Aufbau ein Geheimprodukt zu machen, wird die Schaltung offen gezeigt. Gerade darin steckt ein Teil des Reizes dieses Videos: Es macht sichtbar, wie wenig Magie hinter manchen teuren Zubehörteilen steckt.
Warum eine Funkfernbedienung an Bord so sinnvoll ist
Die Motivation hinter dem Projekt ist sofort nachvollziehbar. Eine Fernbedienung für den Autopiloten ist kein exotisches Extra, sondern im Alltag vieler Segler ausgesprochen praktisch. Wer sich beim Manöver frei an Bord bewegen will, den Kurs aber trotzdem schnell korrigieren oder zwischen Auto- und Standby-Modus umschalten möchte, profitiert enorm von einer mobilen Lösung.
Gerade auf kleineren Crews oder beim Einhandsegeln wird das interessant. Statt jedes Mal zum Steuerstand zurückkehren zu müssen, lässt sich das Boot auch vom Vorschiff, aus dem Cockpit oder aus einer anderen Arbeitsposition heraus beeinflussen. Das macht die Fernbedienung zu einem echten Komfort- und teils auch Sicherheitsgewinn.
Und genau deshalb wirkt der hohe Preis der Originalzubehörteile so schwer nachvollziehbar. Das Bedürfnis ist real, die Funktion sinnvoll – aber die technische Umsetzung ist, wie das Video zeigt, erstaunlich einfach.
Die Bauteile: erstaunlich wenig für erstaunlich viel Nutzen
Der Materialaufwand ist minimal. Laut Video genügt im Kern eine 4-Relais-Box, wie sie auf AliExpress für unter sechs Euro erhältlich ist, dazu vier Dioden, eine Funkfernbedienung mit mindestens drei Tasten und ein kurzes 5-adriges Kabel. Mehr braucht es im Grunde nicht.
Das ist genau der Punkt, der den Aufbau so überzeugend macht. Denn diese Bauteile sind weder exotisch noch schwer zu beschaffen. Sie stammen nicht aus der maritimen Spezialwelt, sondern aus dem universellen Elektronik- und DIY-Bereich. Und gerade dadurch bleibt der Preis niedrig.
Die Funkfernbedienung muss nicht einmal besonders komplex sein. Im Video wird eine robuste Vier-Tasten-Fernbedienung verwendet, was sich als praktisch erweist, weil dadurch die dritte Funktion – also der Moduswechsel – komfortabler auf eigene Tasten gelegt werden kann. Aber selbst die Grundfunktion wäre bereits mit drei Tasten realisierbar.
So funktioniert der Anschluss des Autopiloten
Der zentrale technische Punkt des Videos ist die Anschlusslogik des R3000X-kompatiblen Fernbedienungseingangs. Dieser Anschluss besitzt vier relevante Kontakte, darunter STBD, PORT und GND. Die Arbeitsweise ist denkbar simpel.
Wird PORT mit GND verbunden, entspricht das dem Befehl nach Backbord. Wird STBD mit GND verbunden, ist das der Befehl nach Steuerbord. Werden beide gleichzeitig geschlossen, entspricht das der Umschaltung zwischen Standby und Auto.
Genau das macht die Sache so elegant. Man muss keine Signale dekodieren, keine Bus-Kommunikation nachbilden und keine Software entwickeln. Es reicht, die passenden Kontakte kurzzeitig zu schließen. Und genau das können Relais hervorragend leisten.
Die offizielle Fernbedienung tut im Grunde nichts anderes – nur eben in einem teuren Gehäuse mit Markenlogo.
Der eigentliche Trick: Relais statt Tasten
Im Video wird gezeigt, dass die Grundfunktion schon mit zwei Relais vollständig abbildbar ist. Ein Relais übernimmt den Kontakt zwischen STBD und GND, das andere den Kontakt zwischen PORT und GND. Der gemeinsame Anschluss der Relais wird jeweils mit Masse verbunden, der normalerweise offene Kontakt mit dem entsprechenden Eingang des Autopiloten.
Sobald das jeweilige Relais schaltet, wird also genau die Verbindung hergestellt, die der Autopilot als Tastendruck interpretiert.
Allein damit lässt sich der Pilot bereits fernsteuern. Die Funkfernbedienung löst einfach das Schalten der Relais aus. Die Box wird mit 12 Volt versorgt, idealerweise aus derselben Versorgung wie der Autopilot, sofern diese ebenfalls mit 12 Volt arbeitet. Danach muss die Fernbedienung nur noch mit der Relaisbox gekoppelt werden.
Im Video wird außerdem erklärt, dass man den sogenannten Momentanmodus aktivieren sollte. Das bedeutet: Der Kontakt bleibt nur so lange geschlossen, wie die Taste gedrückt wird. Lässt man los, öffnet sich der Kontakt wieder. Genau dieses Verhalten entspricht einer echten Taste und ist deshalb für den Autopiloteneingang entscheidend.
Warum vier Tasten besser sind als drei
Theoretisch ließe sich die Modusumschaltung auch durch gleichzeitiges Drücken von Backbord- und Steuerbord-Taste realisieren. Denn genau das entspricht am Anschluss des Autopiloten dem gewünschten Verhalten. In der Praxis ist das aber nicht besonders elegant. Zwei Tasten gleichzeitig zu treffen, funktioniert nicht immer zuverlässig, vor allem wenn es schnell gehen soll oder die Fernbedienung klein ist.
Deshalb geht das Video einen Schritt weiter und nutzt bei einer Vier-Tasten-Fernbedienung die beiden zusätzlichen Tasten für genau diese kombinierte Funktion. So wird aus der etwas fummeligen Doppeltastenlösung eine sauber getrennte Bedienung. Backbord und Steuerbord bleiben direkt steuerbar, während eine weitere Taste oder zwei zusätzliche Tasten die Umschaltung elegant übernehmen.
Technisch wird das über vier Dioden gelöst. Sie sorgen dafür, dass beim Drücken dieser zusätzlichen Tasten beide Hauptrelais gleichzeitig angesteuert werden. So entsteht elektrisch genau derselbe Effekt wie beim gleichzeitigen Drücken der beiden Richtungstasten – nur komfortabler und zuverlässiger.
Das ist einer der schönsten Momente des Videos, weil er zeigt, wie mit minimaler Zusatzlogik eine deutlich bessere Bedienbarkeit entsteht.
Der Aufbau in der Praxis
Der eigentliche Zusammenbau ist laut Video angenehm unspektakulär. Die Relaisbox wird mit Strom versorgt, die Ausgänge werden mit den entsprechenden Kontakten des Autopiloten verbunden und die Fernbedienung einmalig mit dem Empfänger gekoppelt. Danach ist die Grundfunktion bereits gegeben.
Wer die komfortablere Vier-Tasten-Variante möchte, ergänzt noch die vier Dioden nach dem gezeigten Schaltplan. Damit schalten die zusätzlichen Tasten beide Hauptrelais gemeinsam. Im Ergebnis entsteht eine drahtlose Nachbildung der originalen kabelgebundenen Fernbedienung – funktional, aber deutlich günstiger.
Der Charme des Ganzen liegt auch darin, dass der Aufbau nicht viel Platz braucht. Die Elektronik lässt sich in einer kleinen Box unterbringen, mit einem Ein-/Aus-Schalter versehen und bei Bedarf sogar mit einem Lanyard ergänzen, sodass die Fernbedienung bequem getragen werden kann.
Im Video wird außerdem erwähnt, dass der fertig montierte Aufbau im Shop mit einem Schalter und einem Anhängeband angeboten wird, um versehentliche Betätigungen zu vermeiden und das Ganze alltagstauglicher zu machen. Doch entscheidend bleibt: Die Technik dahinter ist offen und nachvollziehbar.
Was diese Lösung an Bord wirklich bringt
Die fertige Funkfernbedienung erlaubt es, den Autopiloten nahezu von überall an Bord aus zu bedienen. Kurskorrekturen nach Backbord oder Steuerbord sind direkt möglich, ebenso das Umschalten zwischen Auto und Standby. Für den praktischen Bordalltag ist das enorm wertvoll.
Noch spannender wird es dort, wo das Video den Gedanken weiterführt. In einer anderen Folge wurde bereits gezeigt, dass sich solche Funklösungen über günstige WLAN-zu-Funk-Adapter sogar mit Smartphone, Smartwatch oder anderen Geräten koppeln lassen. Damit verschiebt sich die Grenze noch weiter: Die Fernbedienung ist dann nicht mehr nur eine Handfunke für den Autopiloten, sondern Teil einer größeren, flexibleren Bordarchitektur.
Das macht deutlich, dass diese kleine Lösung eigentlich mehr ist als nur ein Nachbau. Sie ist ein Baustein für ein insgesamt vernetzteres, flexibleres und bezahlbareres Bootssetup.
Warum dieses Video mehr als nur einen Basteltipp zeigt
Wie so oft bei The Low Cost Sailor geht es nicht nur um die konkrete Schaltung, sondern um ein Prinzip. Das Video macht sichtbar, dass viele hochpreisige Zubehörteile in der Bootswelt keine unerreichbare Magie enthalten, sondern oft mit erstaunlich einfacher Technik arbeiten. Wer bereit ist, etwas Dokumentation zu lesen und ein wenig zu löten oder zu verdrahten, kann sich Funktionen erschließen, die sonst unverhältnismäßig teuer wären.
Gerade die Bemerkung im Transkript, dass diese Informationen in der Herstellerdokumentation existieren, aber oft gut verborgen sind, ist bezeichnend. Es geht also nicht darum, ein geheimes System zu hacken, sondern schlicht darum, offengelegte Funktionen konsequent zu verstehen und zu nutzen.
Das ist vielleicht die eigentliche Stärke dieses Projekts: Es nimmt einer vermeintlich komplexen Markenlösung den Mythos und übersetzt sie zurück in eine verständliche, bezahlbare DIY-Schaltung.
Fazit: Viel Nutzen, wenig Material, erstaunlich wenig Geld
Die im Video gezeigte Funkfernbedienung für ältere Simrad-, B&G- und Robertson-Autopiloten ist ein Musterbeispiel für gelungenes Low-Cost-Bootsbasteln. Mit sehr wenigen Bauteilen, etwas Grundverständnis und minimalem finanziellen Aufwand entsteht eine Lösung, für die Hersteller sonst ein Vielfaches verlangen.
Die technische Grundlage ist simpel, die Funktion im Alltag ausgesprochen nützlich und der Nachbau für versierte Bastler gut machbar. Wer keine Lust auf die Originalpreise hat und seinen Autopiloten trotzdem komfortabel vom ganzen Boot aus bedienen möchte, findet hier eine der überzeugendsten DIY-Lösungen überhaupt.
Oder anders gesagt: Man spart nicht nur über 200 Euro. Man gewinnt auch ein Stück Unabhängigkeit zurück.
