Schritt für Schritt zum modernen Bordsetup

Viele Boote sind technisch über Jahre gewachsen. Hier ein Plotter, dort ein AIS-Gerät, dazu ein Autopilot und vielleicht noch ein Windmesser – alles funktioniert, aber oft nebeneinander statt miteinander. Die Geräte sprechen zwar meist NMEA 0183, aber eine zentrale Sicht auf alle Daten fehlt.

Gleichzeitig sind moderne Komplettlösungen teuer und häufig proprietär. Wer heute sein Boot modernisieren möchte, steht daher vor einer entscheidenden Frage: Alles neu kaufen – oder intelligent integrieren?

Die gute Nachricht ist: Es gibt einen dritten Weg. Mit überschaubarem Budget lässt sich ein Boot Schritt für Schritt in eine moderne, vernetzte Plattform verwandeln. Der Schlüssel liegt dabei nicht in einzelnen Geräten, sondern in einer durchdachten Architektur.


Der erste Schritt: Ein zentrales „Gehirn“ schaffen

Am Anfang steht immer die zentrale Plattform. Ohne sie bleiben alle Geräte Insellösungen.

In der Praxis bedeutet das: Du installierst einen kleinen Bordcomputer – typischerweise einen Raspberry Pi. Dieser übernimmt später die Rolle des zentralen Knotenpunkts, an dem alle Daten zusammenlaufen.

Dafür benötigst du lediglich einen Raspberry Pi, eine ausreichend große SD-Karte und eine stabile Stromversorgung aus dem Bordnetz. Als Software kommt OpenPlotter zum Einsatz, das speziell für den maritimen Einsatz entwickelt wurde und bereits viele Funktionen integriert. Darin enthalten ist auch SignalK, das später die zentrale Datenverarbeitung übernimmt.

Nach der Installation hast du zunächst „nur“ einen laufenden Bordcomputer – aber genau das ist die Grundlage für alles Weitere.


Das Nervensystem: WLAN an Bord aufbauen

Sobald die zentrale Plattform steht, brauchst du ein Netzwerk. Denn moderne Bordelektronik lebt davon, dass Geräte miteinander kommunizieren können.

Hier kommt ein WLAN-Netz ins Spiel, das du an Bord aufbaust. Das kann ein einfacher Router sein oder – wenn du gleich weiterdenken möchtest – ein 4G-Router, der zusätzlich Internet bereitstellt.

Dieses Netzwerk verbindet später:

  • den Raspberry Pi
  • Tablets und Smartphones
  • Displays
  • Konverter und Sensoren

WLAN ersetzt dabei viele klassische Kabelverbindungen. Es macht dein System flexibel und erlaubt es dir, Daten überall auf dem Boot verfügbar zu machen.


Die Brücke zur bestehenden Technik: NMEA 0183 integrieren

Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Deine vorhandenen Geräte werden in das neue System eingebunden.

Die meisten Altgeräte arbeiten mit NMEA 0183 – einem seriellen Protokoll, das seit Jahrzehnten Standard ist. Genau hier setzt die Integration an.

Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder verbindest du die Geräte direkt per Kabel mit dem Raspberry oder – deutlich eleganter – du nutzt kleine Konverter, die diese Daten in WLAN umwandeln. Geräte wie der Elfin EW10 sind dafür ideal geeignet.

Du verbindest dabei einfach den NMEA-Ausgang deines Geräts (z. B. AIS oder GPS) mit dem Konverter, stellst die passende Baudrate ein und stellst die Daten im Netzwerk bereit. Der Raspberry empfängt diese Daten und verarbeitet sie weiter.

Damit hast du den wichtigsten Schritt geschafft: Deine vorhandene Technik lebt weiter – aber jetzt digital vernetzt.


Die Sprache des Systems: Daten mit SignalK vereinheitlichen

Sobald die Daten im System ankommen, übernimmt SignalK die zentrale Rolle. Man kann es sich wie eine Art Übersetzer vorstellen, der alle eingehenden Informationen in ein einheitliches Format bringt.

Egal ob AIS, GPS oder Winddaten – SignalK sorgt dafür, dass alles zusammenpasst und gleichzeitig von verschiedenen Anwendungen genutzt werden kann.

Für dich bedeutet das: Du musst dich nicht mehr darum kümmern, welches Gerät welche Daten liefert. Alles wird zentral gesammelt und standardisiert bereitgestellt.


Sichtbar machen: Displays, Tablets und Plotter

Jetzt wird dein System erstmals „sichtbar“. Denn die Daten sollen ja nicht nur vorhanden sein, sondern auch dargestellt werden.

Hier liegt einer der größten Vorteile des gesamten Ansatzes: Du bist nicht mehr an einen teuren Plotter gebunden. Stattdessen kannst du flexibel entscheiden, wie du die Daten anzeigen möchtest.

Ein einfaches Tablet reicht bereits aus, um Navigationssoftware wie Navionics oder OpenCPN zu nutzen. Alternativ kannst du günstige Android-Displays einsetzen – beispielsweise umgebaute Motorrad-Navigationsgeräte oder Android-Radios, die sich hervorragend als Plotter im Innenbereich eignen.

Die benötigte Software installierst du einfach über den Google Play Store. Genau hier zeigt sich ein großer Unterschied zu klassischen Marinegeräten: Du bist nicht eingeschränkt, sondern kannst frei wählen, welche Apps du nutzen möchtest.

Das Ergebnis ist ein vollwertiger Plotter – zu einem Bruchteil der Kosten.


Integration statt Inseln: Systeme miteinander verbinden

Sobald die Daten zentral verfügbar sind und angezeigt werden können, beginnt die eigentliche Stärke des Systems: die Integration.

Jetzt kannst du weitere Komponenten einbinden:

  • Kameras zur Überwachung
  • Batteriemonitore
  • zusätzliche Sensoren
  • bestehende Autopiloten

Alles folgt dabei dem gleichen Prinzip: Daten werden eingesammelt, im SignalK-System verarbeitet und im Netzwerk bereitgestellt.

Der Raspberry wird dabei zunehmend zum zentralen Knotenpunkt, der alle Informationen bündelt.


Der nächste Schritt: Automatisierung

Mit der Integration wächst auch die Möglichkeit zur Automatisierung. Werkzeuge wie Node-RED erlauben es dir, Logiken zu definieren und Abläufe zu automatisieren.

Plötzlich sind Dinge möglich wie:

  • automatische Alarme bei Wasser im Schiff
  • Benachrichtigungen bei kritischen Batterieständen
  • intelligente Steuerung von Verbrauchern

Das Boot entwickelt sich damit von einem passiven System zu einem aktiven, intelligenten System.


Verbindung zur Außenwelt: Internet an Bord

Optional kannst du dein System um eine Internetverbindung erweitern. Ein 4G-Router ermöglicht es dir, dein Bordnetz auch von außen zu erreichen.

Das eröffnet neue Möglichkeiten:

  • Fernüberwachung
  • Zugriff von unterwegs
  • Updates und Cloud-Dienste

Gerade in Kombination mit den zuvor aufgebauten Systemen entsteht hier ein enormer Mehrwert.


Der wichtigste Grundsatz: Schrittweise vorgehen

Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt in der Reihenfolge. Du ersetzt nicht alles auf einmal, sondern entwickelst dein System schrittweise weiter.

Du beginnst mit:

  • der zentralen Plattform
  • dem Netzwerk
  • der Integration vorhandener Geräte

Und erweiterst dann nach Bedarf.

So bleibt dein Boot jederzeit funktionsfähig, während es gleichzeitig immer moderner wird.


Fazit: Mit System statt mit Budget

Der Weg zur modernen Bordelektronik ist heute keine Frage mehr des Budgets, sondern der Struktur.

Mit:

  • einem Raspberry Pi als zentralem Rechner
  • SignalK als Datendrehscheibe
  • WLAN als Verbindung
  • und offenen Systemen wie Android

entsteht eine flexible Plattform, die weit über klassische Lösungen hinausgeht.

Und das Beste daran: Sie wächst mit deinen Anforderungen.


Übersicht: Was du für die einzelnen Schritte benötigst

Grundsystem:

  • Raspberry Pi
  • SD-Karte
  • OpenPlotter + SignalK

Netzwerk:

  • WLAN-Router (optional 4G)

Integration Altgeräte:

  • Elfin EW10 oder USB-Seriell-Adapter

Anzeige:

  • Tablet oder Android-Display
  • Apps: Navionics, OpenCPN

Erweiterung:

  • Kameras
  • Sensoren
  • Node-RED

Optional:

  • 4G-Router für Internet
  • zusätzliche Displays
Vom klassischen Boot zur vernetzten Plattform

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